Titel

Hunger auf Leben
Ein Erfahrungsbericht

Leseprobe

Urheber
Gabriele Wötzel

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
292
Sprache
Deutsch
Format
12 x 19 cm
ISBN
978-3-8311-1832-8
Preis
€ 17,13 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Nadine ist gerade elf Jahre alt, als die Diagnose Leukämie ihre unbeschwerte Kindheit beendet. Morgens noch in der Schule, liegt sie am Abend im Krankenhaus. Tapfer steht sie acht Monate Chemotherapie durch, beseelt von dem Gedanken, die bösartige Krankheit zu besiegen. Doch dann kommt der Rückfall, mit dem niemand so schnell gerechnet hat. Der Kampf um ihr Leben beginnt aufs Neue

Leseprobe

Seit Nadine an Krebs erkrankt ist, begleitet mich mein schwarzer Vogel. Der schwarze Vogel hat den Namen Angst. Manchmal zieht er ferne Kreise, und ich hoffe, er kommt nicht zurück. Dann ist er wieder da. Ich erwache viel zu früh am Morgen. Voller Panik hämmert mein Herz. Der neue Tag bricht an, und ich habe keine Ahnung, wie ich ihn überstehen soll. 
Es geschah im April 1994. Unsere Tochter Nadine war damals elf Jahre alt. Seit einigen Wochen sah sie auffällig blaß aus, litt häufig unter Erkältungen und hatte eine Mittelohrentzündung nach der anderen. Lustlos und müde schleppte sie sich zur Schule, ihre Leistungen ließen merklich nach. Manchmal klagte Nadine über Knochenschmerzen oder fand am Morgen Blutflecke auf ihrem Kopfkissen. Unser Hausarzt verordnete ihr regelmäßig Antibiotika. Ihre Knochenschmerzen führte er, genau wie ich, auf schnelles Längenwachstum in der Pubertät zurück. Womöglich hatte sich Nadine auch beim Schulsport überanstrengt.
Am Abend des 20. April 1994 fuhr mein Mann Werner auf dringenden Rat unseres Hausarztes mit uns nach Ratingen ins Krankenhaus. Nadines Blut war nicht in Ordnung!
„Die kleine Frau hat entweder ein schweres Rheuma oder eine Anämie.“ Diese Äußerung des Arztes wollte mir nicht aus dem Sinn, während ich Nadine auf dem Rücksitz unseres Autos im Arm hielt. Anämie? Schweres Rheuma? Oder Leukämie? Plötzlich passten Nadines Beschwerden genau zu den Kenntnissen, die ich über diese Krankheit hatte.
In der Klinik wurden wir schon erwartet. Nadine bekam sofort ein Bett. Apathisch lag sie auf dem weißen Kissen, das ihre Haut noch blasser erscheinen ließ. Eine blonde Krankenschwester mit einem Haarknoten im Nacken nahm ihr etwas Blut ab. Tröstende Worte. „Nur ein kleiner Pieks, dann ist es schon vorbei.“ Freundliches Lächeln. „Du bist aber ein tapferes Kind, so schön still gehalten hast du.“
Ein aufmunternder Blick für Werner und mich. „Der Professor spricht gleich mit Ihnen.“
„Ihre Tochter hat mit Sicherheit eine Leukämie. Was für eine wissen wir noch nicht“, sagte der Professor wenig später zu uns. Wir saßen dem dunkelhaarigen Mediziner mit den ruhigen, braunen Augen gegenüber, das erste Mal in unserem Leben. Und er sagte, Nadine hätte eine Leukämie.

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